
Liebe FWG Schmitten,
erstmal: Respekt.
Ernsthaft. Es braucht eine besondere Begabung, um gegen einen Kindergarten zu stimmen, und sich danach als Kinderfreund zu präsentieren. Das ist keine Kritik. Das ist Bewunderung. Für die Chuzpe.
Lassen Sie uns die Geschichte nochmal gemeinsam durchgehen. Langsam. Damit alle mitkommen.
2018. Die Gemeindevertretung beschließt gemeinsam: „Standort Pfarrheckenfeld ist ideal für einen neuen Kindergarten.“ Alle dabei. Auch die FWG.
Dann kommt accadis. Ein gemeinnütziger Träger aus Bad Homburg, der anbietet, die Kita zu bauen und zu betreiben. Breite Zustimmung in der Gemeindevertretung. Das Thema landet im Haushalts- und Finanzausschuss. Vorsitzender: Bernhard Eschweiler, FWG.
Die FWG ist Teil des Prozesses. Jahrelang. Mit am Tisch. In den Verhandlungen. In den Beschlüssen.
Und ja – irgendwann, so berichtet der Usinger Anzeiger im Mai 2021, glaubt die FWG „nicht mehr an die accadis-Kita“. Das ist ihr gutes Recht. Aber es ist ein bemerkenswerter Zeitpunkt für Zweifel: nach Jahren der Mitarbeit, kurz bevor accadis selbst aus einem steuerrechtlichen Grund, den niemand vorhersehen konnte, aussteigt.
Rückwirkende Hellsichtigkeit ist eine unterschätzte politische Disziplin: Man sieht nichts voraus – und erinnert sich hinterher daran, dass man’s kommen sah.
Februar 2023.
accadis teilt in eigener Sache mit: geht doch nicht. Steuerrechtliches Gutachten. Die eigene Gemeinnützigkeit gefährdet. Der Ausstieg. Für alle überraschend. Auch für die FWG – egal was sie heute sagt.
Erstaunlich, diese rückwirkende Hellsichtigkeit.
Dann: Namentliche Abstimmung zum Kita-Bau. Die FWG stimmt dagegen. Namentlich. Für alle sichtbar. Protokolliert. Danke für die Transparenz.
Direkt danach: Antrag der FWG zur Kita-Zisterne. Abstimmung. Nicht namentlich. Stille. Die FWG stimmt dafür. Fürs Protokoll: für ein Detail eines Gebäudes, das sie gerade abgelehnt hat. Und präsentiert das heute als ihren konstruktiven Beitrag zum Projekt.
Das ist, als würde man gegen den Hausbau stimmen, dann aber beantragen, dass die Küche einen zweiten Haken bekommt – und sich anschließend als Architekt bezeichnen.
Aber kommen wir zu den Fakten. Die FWG mag Fakten. Wir auch. Deswegen:
Schmitten gehörte laut Monitoringbericht des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain zu den fünf Kommunen mit der niedrigsten U3-Betreuungsquote im gesamten Verbandsgebiet – unter 15 Prozent, unter 80 Kommunen! Das steht schwarz auf weiß im offiziellen Regionalen Monitoring 2025.
Die Wartelisten? Lang. Die Eltern? Verzweifelt. Der Bedarf? Gutachterlich bestätigt, vom Jugendamt bestätigt, vom Bedarfsplan bestätigt, von Eltern am Abend der Beschlussabstimmung mit Applaus bestätigt – was, so die Bürgermeisterin, noch nie vorgekommen ist.
Aber die FWG sieht: keinen Bedarf. Interessant!
Zur Überkapazitätsprognose der FWG: „Bestehende Kitas müssen schließen, sobald die neue öffnet. Drama. Aussterben. Leere Flure. Verwaiste Basteltische.“
Realität: Der Montessori-Kindergarten im Burgweg hat den Betreiber gewechselt. Neue Träger: die Glückskinder. Ergebnis: Fast alle Kinder sofort übernommen. Warteliste der Gemeinde: leert sich in die neue Einrichtung. Kapazität: ausgelastet.
Die Überkapazität findet nicht statt. Sie findet einfach nicht statt.
Zur Wirtschaftlichkeit:
Der 30-Jahres-Vertrag, den die FWG kritisiert, existiert in dieser Form nicht mehr. Das war das alte accadis-Modell. Das accadis-Modell gibt es seit Februar 2023 nicht mehr.
In 35 Jahren gehört das Gebäude der Gemeinde. Vollständig. Ohne Restschuld. Das ist keine 7-Millionen-Schuld – das ist eine 6,3-Millionen-Investition in Gemeindevermögen.
Man könnte fast meinen, die FWG kritisiert ein Projekt, das so nicht mehr existiert, auf Basis von Bedenken, die sie angeblich schon immer hatte, gegen ein Ergebnis, das sie eigentlich gut finden müsste.
Man könnte das meinen.
Zum Schluss noch ein Gedanke. Ein kleiner. Unaufgeregter.
Schmitten braucht junge Familien. Nicht als soziales Projekt. Als Haushaltspolitik. 15 Prozent der Lohn- und Einkommenssteuer fließen direkt an die Gemeinde. Keine Familien, keine Kinder, keine Steuereinnahmen, keine Spielräume, kein Schwimmbad, kein Skatepark, irgendwann kein gar nichts.
Wer gegen die Kita stimmt und gleichzeitig für Familienpolitik wirbt, hat entweder einen sehr originellen Familienbegriff – oder hofft, dass das niemand nachrechnet.
Wir haben nachgerechnet.
(Noch mehr Zahlen und Fakten zur Kita gibt’s hier in unserem Artikel.)
b-now Schmitten – Unabhängig. Transparent. Für ein liebens- und lebenswertes Schmitten.
(Und ja, wir stehen dazu.)
Ihre Annett Fomin-Fischer